Zehn Tage im Dschungelcamp

Für ein kleines Team unserer DTS bot sich relativ kurzfristig die Möglichkeit eines zweiwöchigen Einsatzes im wilden Busch Madagaskars. Als alter Royal Ranger musste ich natürlich nicht zweimal überlegen und mit der Freigabe der Familienchefin (Vielen Dank mein Schatz :-)) war ich somit Teil des sechsköpfigen Teams.

Am Montagmorgen, 13.07., machten wir uns (Isabella& ich – GER, Beau& Cindy – SA, Ava – AUS und Curtis – USA) also auf den Weg nach Tamatave/ Toamasina an der Ostküste Madagaskars. Es war sehr erfrischend, die riesige, verschmutzte Stadtlandschaft von Antananarivo zu verlassen und schon nach wenigen Kilometern ins scheinbar endlose Grün dieser Insel einzutauchen. Nach einer relativ komfortablen 8-stündigen Busfahrt erreichten wir schließlich die Hafenstadt, wo wir von Victor in Empfang genommen wurden. Victor leitet seit vielen Jahren die YWAM Base in Tamatave und arbeitet hauptsächlich an Gemeindegründungen und Entwicklungsprojekten in den entlegenen und teilweise unerreichten Buschsiedlungen der Region.

Die ersten drei Tage haben wir für die Vorbereitung und Einkäufe in Tamatave verbracht. Da Victor selbst im Busch aufgewachsen ist, konnte er uns bestens auf die Kultur und Gewohnheiten vorbereiten. Ein Großteil der madagassischen Kultur ist geprägt vom Ahnenkult und dessen Praktiken. In ihrem traditionellen Glauben nehmen verstorbene Familienmitglieder eine Position als „Götter auf Erden“ und als Vermittler zu Gott ein. Da die Ahnen die Macht haben, das Schicksal der Hinterbliebenen zu beeinflussen, sind sie die wichtigsten Familienmitglieder und müssen dementsprechend durch Verehrung und Opfer bei Laune gehalten werden. Ein wichtiger Faktor in dieser Religion spielt der gesellschaftliche Druck und die Zugehörigkeit zur Gemeinschaft. So auch in den Dörfern, die wir in den verbleibenden 10 Tagen im Busch besuchen konnten…

Gemeinsam mit unsern beiden Malagasy-Übersetzern Mamisoa und Toky (und ca.12 weiteren Passagieren…) fuhren wir mit einem Dschungel-Taxi (auf der Ladefläche eines 4×4-Trucks der 70er Jahre) eine Stunde von Tamatave in Richtung Süden. Von dort ging es zu Fuß mit unseren vollgepackten Rucksäcken eine weitere Stunde in den Busch und über 4 Brücken und 2 Flüße (oder Brückchen und Bächchen 🙂 ). Trotz der überschaubaren Wanderung, schien es als würden wir eine andere Welt betreten: kein fließend Wasser (abgesehen natürlich vom Fluß…), kein Strom, kein WiFi oder Handynetz, keine Uhren oder Smartphones, dafür Holzhütten, Hühner, Kühe, und Donnerbalken. Sahavangana – Unser Zuhause für 10 Tage und das Zuhause für geschätzt 200 Dorfbewohner, ganz nach meinem Rangergeschmack.

Jeder einzelne unserer Tage im Busch Madagaskars war vollgepackt mit abenteuerlichen Unternehmungen, spannenden Begegnungen und unzählbaren unterhaltsamen Momenten. Die ganzen wertvollen Erinnerungen könnten wahrscheinlich ein kleines Buch füllen, daher möchte ich nur eine knappe Zusammenfassung geben, einige einzelne Erlebnisse beschreiben und ein paar Bilder erzählen lassen.

In Sahavangana wurden wir unglaublich herzlich und großzügig von Pastor Simon, seiner Frau Olga und ihren 7 Kindern umsorgt. Simon ist seit einigen Jahren Christ, leitet die kleine Gemeinde (ca.15 Leute) und wurde deswegen von einem Großteil seiner Familie sowie der Dorfgemeinschaft verstoßen, die weiterhin am Ahnenkult festhält. Auch einige andere Gemeindemitglieder haben mit dem Konflikt und auch der Vermischung des christlichen Glaubens und dem gesellschaftlichen „Zwang“ der Ahnenverehrung zu kämpfen. Gleichzeitig ist diese traditionelle Religion aber unglaublich trocken und bringt ganz im Gegensatz zum Evangelium sichtbar nur Ängste, Zwänge und Tod. Die Not und der Bedarf an Jüngerschaft und Bibellehre in den Dörfern sind groß, da nur wenige der Christen lesen können, eine Bibel besitzen und Anschluss an eine Gemeinde haben… Daher war es umso schöner die kleine Gemeinde durch die intensive Gemeinschaft, beim täglichen gemeinsamen Abendessen, Lobpreis und Evangelisationen zu schulen und zu ermutigen. Ihren Dank uns gegenüber wurde mehrfach durch geschenkte Hühner ausgedrückt, die wir gerne geschlachtet, zubereitet und verspeist haben 🙂

Der Alltag im Busch gestaltete sich wie folgt: Weckruf durch Hühner, Enten, Hähne und Nachbarskinder gegen 5 – 6 Uhr. Da der Kuschelfaktor auf dem Betonboden des Klassenzimmers (unsere Unterkunft) durch die 3mm dicke Yogamatte nur äußerst geringfügig erhöht wurde, hieß es also auch gleich aufstehen, Frühstücksfeuer machen, 3 Minuten Matschspaziergang zum Fluß zum Waschen und Zähneputzen, Wassereimer mitbringen und Geschirr vom Vorabend spülen, Frühstück, Andacht, dann folgte unser Tagesprogramm. An einigen Tagen hatten wir Evangelisations- und Gebetsveranstaltungen in den Nachbardörfern (inklusive 2-3 Stunden Wanderung), sind Einladungen der Bewohner gefolgt, haben am Dorfleben teilgenommen (Reis verarbeiten, Körbe weben, Fußball spielen, …) oder einfach nur die Ruhe und Gemeinschaft genossen. Vor dem Sonnenuntergang gegen 17 Uhr ging es nach dem täglichen Bad im Fluss wieder ans Essen zubereiten, d.h. Wasser holen, Feuermachen, usw. Meistens lagen wir nach den anstrengenden Tagen schon um 7 oder 8 im Bett, bzw. auf dem Betonboden…

Trotz oder viel mehr gerade wegen den erschwerten/ sehr schlichten Rahmenbedingungen war der Kurzeinsatz im Busch ein unvergessliches Erlebnis. Ich habe die Gemeinschaft in der Gruppe und mit den Dorfbewohnern sehr genossen und hoffe eines Tages zurückkehren zu können. Vor allem aber war es erstaunlich in diesen 2 Wochen immer wieder Gottes Größe und Liebe zu sehen. Sei es in der Gemeinschaft mit eigentlich völlig fremden Christen, in der Schönheit der Natur und Menschen Madagaskars, der Unendlichkeit des afrikanischen Sternenhimmels,  oder im Wirken des Heiligen Geistes. In den 10 Tagen im Busch gab es 10 Entscheidungen Jesus nachzufolgen und einige Heilungswunder: ein Mann wurde nach 5 Jahren komplett von einer Wundinfektion geheilt, ein anderer von chronischen Gelenksschmerzen, ein weiterer von Nackenschmerzen, eine Frau von 4 Wochen andauernden Zahnschmerzen.

Inzwischen sind wir wieder gut in Antananarivo angekommen und ich bin wieder vereint mit meiner Familie 🙂 Morgen geht es bereits zum nächsten Abenteuer auf den Seychellen und wir sind gespannt darauf, was dort alles auf uns wartet!

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